Direkt aus dem Mund.

Als Jill mit dem BMX-Sport anfing, fand sie sich von Beginn an in einem Mix aus Sport und Kunst wieder – diesen Schritt hat sie jedoch nie bereut. Da sie bei allem immer ihr Bestes gibt, hat sie sich in den Ergebnislisten stetig nach vorne gearbeitet, bis ihr schließlich eine olympische Medaille um den Hals gehängt wurde. Im Nordwesten der USA mit seinen unzähligen Trails direkt vor der Haustür lebt sie ihren Traum: Jill liebt es zu verreisen, neue Orte zu entdecken und einfach mit ihrem Bike unterwegs zu sein. Wir möchten euch eine der ersten Frauen im Mountainbike-Sport näher vorstellen – Jill Kintner.

Wer bist du und woher kommst du?
Ich heiße Jill Kintner und bin in Seattle, Washington, aufgewachsen, lebe heute aber in Bellingham, das ein paar Stunden nördlich liegt. Ich hatte eine sehr sportliche Kindheit; ich habe viel Fußball gespielt, bin Fahrrad gefahren, war Teil des Tennisteams, spielte Golf etc., war aber immer auch schon sehr künstlerisch unterwegs. Ich zeichnete, bastelte Origami, machte meinen eigenen Schmuck und arbeitete mit Ton. Meine Eltern hatten normale Jobs; mein Vater war Fliesenleger und meine Mutter arbeitete bei United Airlines. Wir waren also nicht reich, aber ich habe immer versucht, bei allem mein Bestes zu geben.

 

 

 

Wie bist du zum Radsport gekommen?
Jedes Kind in unserer Nachbarschaft hatte ein Fahrrad und es gab einen kleinen Graben, über den wir springen konnten. Das haben wir ziemlich oft gemacht und wir haben uns gegenüber bei der Kirche einen kleinen Rundkurs ausgedacht und viele andere Dinge unternommen. Außerdem hatten wir ungefähr sechs Häuserblocks entfernt eine BMX-Strecke. Ich war das einzige Mädchen und wollte natürlich mit den Jungs mithalten. Als ich ungefähr 10 Jahre alt war, hat mich der Film „Rad“ sehr inspiriert. Damals habe ich mit dem Fahrrad die Highline Times ausgetragen und genau wie mein Idol Crew Jones die Zeit gemessen, haha.

Mit wem fährst du zusammen?
Meistens mit Bryn. Wir haben den gleichen Trainingsplan und die gleiche Einstellung, was toll ist. Wo wir wohnen, gibt es keinen Mangel an talentierten Fahrern, mit denen man fahren kann. Es kommt also immer darauf an, wer gerade da ist. Mit Luke Strobel und Lars Sternberg sind wir ziemlich oft unterwegs.

 

 

Wo fährst du am häufigsten?
Wir fahren meistens vor unserer Haustür in Bellingham! Das ist wohl der beste Ort zum Mountainbiken in den ganzen USA, finde ich zumindest. Es gibt vier hohe Berge, die man gut verbinden kann. Die Kombinationsmöglichkeiten und Varianten sind endlos. Zudem ist Whistler nur ein paar Autostunden entfernt. Der Streifen zwischen Seattle und Whistler ist also unser Heimrevier.

Wen bewunderst du?
Menschen, die wissen, wer sie sind, und die die Wahrheit sagen, denke ich. Ich versuche, mir von vielen Menschen gute Dinge abzuschauen, aber in der Welt des Sports ist Roger Federer mein Held. Er wirkt so souverän, ist analytisch, stilvoll, gibt tolle Antworten in Interviews, würdigt die Stärken seiner Gegner und hat alles gewonnen, was man gewinnen kann. Ich mag diese spannenden Momente, wenn wahre Champions ihre Klasse zeigen, das sind ergreifende Momente …

 

 

Seit wann fährst du Fahrrad?
Meine Mutter sagt, dass ich bereits mit zwei Jahren ohne Stützräder fahren konnte. Es gibt einige sehr unverantwortliche Bilder von mir als ich ein paar Jahre später die hohe Downhill-Startrampe ohne Helm und mit Füßen von den Pedalen hinunter rauschte, wobei sich die Kurbel mit hoher Geschwindigkeit mitdrehte. Mit acht Jahren haben wir an Rennen teilgenommen und als ich 10 Jahre alt war, bin ich bei den BMX-Meisterschaften an der Westküste an den Start gegangen. Mit 14 habe ich als BMX-Profi mein erstes Preisgeld verdient. Das war eine großartige Zeit.

 

 

 

Erzähl uns von deinem ersten Rennen!
So gut kann ich mich nicht mehr erinnern, aber ich weiß, dass ich ein paar Mal abgekocht wurde, bis ich kapiert habe, wie ich fahren muss. Aufgeben war für mich noch nie eine Option.

Worauf bist du besonders stolz?
Wahrscheinlich auf die Teilnahme an den Olympischen Spielen und den Gewinn einer Medaille für mein Land, trotz gerissenem Kreuzband und Meniskusriss und all der anderen widrigen Umstände. Das war schon verrückt.

Was war an den Olympischen Spielen gut und schlecht?
Der Moment, als ich die Ziellinie überquert habe und eine Medaille gewonnen hatte, war toll. Die Erleichterung war verdammt groß. Mitzuerleben, wie der Traum meiner Mitbewohnerin und Trainingspartnerin Arielle zerstört wurde, da sie es nicht ins Team geschafft hat, war hingegen schlimm. Das ganze Projekt war von vielen Hochs und Tiefs geprägt.

 

 

Was braucht man, um diesen Sport zu dominieren?
Kompromisslosen Fokus und unermüdliche Anstrengungen, um überall perfekt zu sein.

Welches Rennen bereust du und warum?
Rückschläge stärken den Charakter, auch wenn es nicht immer angenehm ist. Es hilft nichts, Dingen nachzutrauern. Bei einem Rennen hat es mir meine Niere zerrissen, und die hätte ich gerne wieder zurück.

Welche Veränderungen im Radsport konntest du feststellen, seitdem du damit begonnen hast?
Es ist cool, dass Frauen jetzt die gleichen Preisgelder bekommen. Leider ist das noch nicht überall der Fall.

„Ich wähle immer die aufwendigste und schwierigste Aufgabe und versuche dann, mein Bestes zu geben, was mich manchmal in den Wahnsinn treibt“

 

Wirst du in der Zukunft etwas Neues ausprobieren?
Ich versuche mich an Enduro … Und vielleicht mache ich irgendwann Grafikanimationen und gründe mein eigenes Unternehmen.

Mit welchem Fahrer oder welcher Fahrerin würdest du gerne mal zusammen fahren?
Mit Anne Caroline Chausson – the GOAT. Die Französisch-Barriere war schwierig zu durchbrechen und in ihrer Gegenwart werde ich immer noch nervös.

Was gefällt dir an Fabric?
Fabric legt Wert auf gutes Design sowie Ästhetik und entwickelt Produkte aus nutzbringenden Materialien. Außerdem mag ich die Mitarbeiter dort und die ganze Marke hat ein großartiges Image, dem wir uns gerne anschließen.

Was gibst du dem Sport zurück?
Ich versuche, ein guter Mensch zu sein und Zeit für andere Menschen zu haben. Hoffentlich kann ich mit meinen Erfolgen andere dazu inspirieren, selbst diesen Sport zu treiben. Gemeinschaftsprojekte und Freiwilligeninitiativen sind für mich wichtig, aber das möchte ich nicht an die große Glocke hängen. Ich mache das nicht, um in der Öffentlichkeit gut dazustehen. Ich möchte einfach helfen. Ich gebe Fahrtechnik-Kurse, mache nach der Schule mit Kindern Pumptrack-Training, beteilige mich an Trail-Building-Tagen, überlege mir Marketing- und Kunstprojekte, um Menschen einzubinden, helfe Leuten beim Setup ihres Bikes und viele weitere Dinge.

„Rückschläge stärken den Charakter, auch wenn es nicht immer angenehm ist“

 

Erzähl uns von den Vorteilen, eine Red Bull-Fahrerin zu sein.
Sie sind wie meine Familie. Ich kann mit vielen tollen Menschen zusammenarbeiten und profitiere von großartigen Trainingseinrichtungen. Außerdem helfen sie Sportlern, ihre Träume Wirklichkeit werden zu lassen und Projekte in die Realität umzusetzen.

Wann ist der richtige Zeitpunkt, ein Red Bull zu trinken?
Das hängt davon ab, was du gerade machst. Es hält dich bei Autofahrten wach, versorgt dich nach unzähligen Sprint-Einheiten mit dem nötigen Zucker, hilft bei der Konzentration und manchmal hat man einfach Lust auf ein leckeres Erfrischungsgetränk. Ich trinke vor jedem Rennen eine Viertel Dose, da ich mich dann voll und ganz auf die bevorstehende Aufgabe konzentrieren kann. Mein absoluter Favorit ist Yellow, es schmeckt wie der Softdrink Squirt.

 

 

Was ist frustrierend daran, eine Frau im MTB-Rennsport zu sein?
Dass man nie die gleichen Sponsorengelder bekommt. Es ist immer ein Kampf. Aufgrund der harten Arbeit lernt man zu schätzen, was man bekommt. Wenn ich jedoch sehe, dass andere Fahrer so viel Geld wollen, ärgert mich das ehrlich gesagt schon.

Welche Hindernisse gibt es, wenn man mit dem Radsport anfangen will?
Ich denke, der Kauf eines Bikes und das regelmäßige Training. Man bekommt nichts geschenkt. Um voranzukommen, muss man ein paar Dinge opfern …

 

 

Wie kann man mehr Frauen für das Mountainbiken begeistern?
Baut überall mehr Trails und unterstützt sie bei den grundlegenden Fahrtechniken.

Hast du neben dem Mountainbiken noch andere Leidenschaften?
Neben dem Sport gehören Kunst und Design zu meinen größten Hobbys. Außerdem bin ich ein großer Kaffeefan, mag Buchläden, Spazierengehen, Gartenarbeit, Hunde, genieße es draußen zu sein, mit Freunden abzuhängen, an Projekten zu arbeiten, zu organisieren …

Was wartet in der Zukunft auf Jill Kintner?
Gute Frage, schwere Antwort … Ich möchte so lange wie möglich noch mit Bryn biken, aber ich möchte auch neue Dinge kennenlernen, einen Garten haben, einen Hund, ein Haus bauen etc. Design und die Gründung eines eigenen Unternehmens haben ihren Reiz, aber mir gefällt es einfach, aktiv zu sein und mein eigenes Leben zu leben. Hoffentlich finden wir etwas, das uns glücklich macht und das wir zusammen tun können. Ich stecke mir gerne Ziele und möchte diese dann auch umsetzen; wir werden sehen, was passiert …