Direkt aus dem Mund.

Bei einem 16 Jahre alten Radsportler aus Kalifornien würde man vielleicht erwarten, dass er auf echten Raketen große Downhill-Strecken nimmt. Aber Tydeman Newman ist jemand weit jenseits seines tatsächlichen Alters. Als selbstbetitelter XC- und Cyclocross-Süchtiger bringt er auf den Singletracks eine Mentalität mit, die man eher am Strand, im Skatepark oder im Dirtpark erwarten würde. Das erste Mal sind wir Tydeman 2017 begegnet, als er das Grinduro in Quincy, Kalifornien fuhr. „Lust auf eine Runde zusammen?“ fragte er.
Jetzt fährt er für Fabric.

Wie heißt du? Mein Name ist Tydeman Newman. Ich fahre viel Rad und mache noch einige andere coole Sachen.

Dein Alter? 16 Jahre jung.

 

 

Wo lebst du? Ich lebe den Traum in Südkalifornien. Ich wohne in einem Schuppen auf einem Hof vor den Toren von Los Angeles.

Was für Bikes hast du? Meine Haupträder sind ein Cannondale F-Si Hardtail, ein Cannondale Scalpel-Si, ein Cannondale SuperX, ein Cannondale CAAD12, ein speziell lackiertes Singlespeed-Cyclocross-Bike, ein BMX, das ich mir mit meinem Bruder teile, und ein Dirtbike.

Warst du heute schon auf dem Rad? Natürlich war ich das (lacht). Ich habe bei dieser Gravel-Schnitzeljagd mitgemacht, die der örtliche Shop – Pedaler‘s Fork – veranstaltet hat. Viel Spaß in den Bergen von Santa Monica mit guten Freunden. Viele Wheelies. Viel Rutschen.

Was fährst du am liebsten? Ich fahre eigentlich alles gern. Hauptsächlich bin ich auf Mountainbikes und Cyclocross- oder Gravel-Bikes unterwegs, aber man sieht mich auch oft auf dem 20-Zoller oder bei schnellen Runden auf dem Rennrad. Aber ja, eigentlich fahre ich alles gern (lacht).

 

 

 

Wie bist du zum Radsport gekommen? Durch meinen Vater. Ich saß schon früh auf meinem ersten Rad und glaube, ich bin schon mit knapp zwei Jahren ohne Stützräder gefahren. Seitdem bin ich fasziniert davon. Ich habe Baseball und Fußball und andere Sachen gemacht, aber Radfahren war für mich immer das Schönste. In den letzten Jahren habe ich dann gemerkt, dass ich durchaus schnell bin und das eine oder andere Rennen gewinnen kann (lacht).

Was machst du, wenn du nicht gerade im Sattel sitzt? Wenn ich nicht auf dem Bike bin, findet ihr mich am Strand auf der Suche nach der besten Welle. Das Meer war für mich schon immer sehr wichtig und eine Art Glücksoase, wo ich alles andere vergessen kann und einfach meine Ruhe habe. Egal ob ich draußen auf meinem Board stehe und die perfekte Welle erwische oder mit Flossen durch den Shorebreak schwimme, ich bin einfach gern im Wasser (lacht).

 

 

 

Du lebst mit deiner Familie in den Hügeln nördlich von LA. Wie gefällt dir die Gegend, in der du wohnst? Nun ja, wir haben es schon ziemlich gut getroffen. Meine Siedlung ist eine der ältesten im gesamten Gebiet der Woodland Hills. Unser Haus war eines der ersten zehn. Es ist ziemlich klein, aber die Umgebung ist einfach super. Das einzige Problem ist, dass uns langsam der Platz ausgeht: zwei Erwachsene, drei Teenager, zwei Hunde und ’ne Menge Bikes und Surfbretter. Deswegen leben mein Bruder und ich in diesem 3 x 4 Meter großen Schuppen im Garten. In meinem stehen unten die ganzen Bikes und oben mein Loft-Schlafzimmer. Wenn die Leute vorbeikommen und sich das ansehen, gibt es nur zwei Meinungen: Entweder finden sie es supercool oder sie halten uns für Spinner.

Wie ist die Szene so in deiner Gegend? Seht euch mal #lasucksforcycling an. Ihr würdet staunen. Das Ganze ist ziemlich sarkastisch gemeint (lacht). Allgemein ist die Szene ziemlich klasse. Wir haben einige unglaubliche Strecken und noch besseres Wetter, sodass eine Menge toller Leute zum Fahren herkommt. Es passiert häufiger, dass man Leute wie Stephen Hyde oder einige der U23-Teams in den Hills trainieren sieht. Und es gibt eine Unmenge schneller Gruppenfahrten, die mir definitiv dabei helfen, in Form zu bleiben.

LA ist riesig, fährst du Auto? Ein lustiger Zufall, deine Frage. Ich habe gerade gestern meinen Führerschein bekommen. Meistens fahre ich einfach mit dem Rad zur Schule, zum Strand und zu den meisten anderen Orten. Es macht mehr Spaß und ich habe Zeit zum Wheelies üben, damit ich die Mädels beeindrucken kann (lacht).

Dein Vater ist Konstrukteur? Ja, mein Vater ist schon echt klasse. Er hat mich nicht nur zum Radsport gebracht, er ist auch der Eigentümer, Gründer, Konstrukteur und Kundenservice für OMATA. Falls ihr davon noch nichts gehört habt: Das ist der weltweit erste analoge Fahrrad-Tacho mit GPS. Er ist einfach genial. Der Tacho erfasst alle Daten, die man braucht, zeigt aber beim Fahren nur das an, was gerade wichtig ist – und zwar auf eine völlig neuartige Art und Weise. Wenn ihr mehr darüber erfahren wollt, könnt ihr euch die Website www.omata.com ansehen. Sie ist wirklich einen Blick wert.

Ist der Rest deiner Familie genauso sportlich wie du? Ja, wir sind schon eine sehr sportverrückte Familie, haha. Meine beiden Eltern waren ziemlich gute Sportler. Mein Vater fährt Fahrrad und hat schon an mehreren 24-Stunden-Einzelrennen teilgenommen und dabei auch gewonnen – auf einem Singlespeed. Er ist echt ein Tier. Meine Mutter hat früher öfter Triathlons und sogar einige Half-Ironmans (70.3er) gemacht, was genauso verrückt ist. Sowohl mein Bruder als auch meine Schwester sind ebenfalls supersportlich. Sie spielen beide auf hohem Niveau Fußball. Wenn sie auf ein Fahrrad steigen würden, wären sie wahrscheinlich auch ziemlich schnell (lacht).

Deine Hütte, erzähl‘ doch mal … was hast du da drin? Ach ja, der gute alte Schuppen. Unten sind meine ganzen Bikes. Praktisch alles dort ist voll mit Fahrrädern. Oben ist mein Zimmer. Das ist eigentlich nur ein Bett, eine Gitarre, meine Plattensammlung und eine Musikanlage – die habe ich mir aus einem Plattenspieler von einem Freund und zwei Lautsprechern von der Straße zusammengebastelt. Manchmal möchte man die Lautstärke ändern, dreht nach rechts und es wird leiser. Das ist dann ziemlich blöd für die Stimmung, aber trotzdem ist die Anlage toll. Ich liebe meine Platten.

 

„Ich träume davon, gut kochen zu können … aber ich bin kein Gordon Ramsay.“

 

Was ist dein Lieblingsprodukt von Fabric? Das ist schwierig. Ich denke, der Scoop Pro Team Flat. Oder der ALM.

Warum? Der Scoop ist einfach ein wunderbarer Sattel. Denkt mal drüber nach: Sättel sind mit die wichtigsten Teile des Fahrrads, da wir praktisch die gesamte Fahrt darauf sitzen. Leider nutzen wirklich wenige Leute Sättel, die für ihren Körperbau oder Fahrstil wirklich passen. Der Scoop ist an den richtigen Stellen wirklich komfortabel, ohne irgendwelchen Schnickschnack. Er ist gleichzeitig leicht und bequem. Ich liebe den ALM, weil er einfach so schön aussieht. Es ist wirklich beeindruckend, dass er wie ein einziges Stück Carbon wirkt. Und obwohl es ein ultraleichter, minimalistischer Sattel ist, habe ich noch nie bequemer gesessen. So bequem sogar, dass ich Nicks Idee links liegen ließ und den Sattel auf meinem Hardtail fahre (lacht).

Kochst du? Ich träume davon, gut kochen zu können. Ich beherrsche die Grundlagen und kann auch mal einen Gang hochschalten, wenn ich Zeit habe, aber ich bin kein Gordon Ramsay.

Wales oder Kalifornien? Uff. Das ist schwierig. Ich müsste wohl Kalifornien sagen, aber nur, weil ich nicht für die Wohnung und das alles bezahlen muss, aber ich liebe auch den Strand und die großen Berge. Aber Wales ist großartig und ich spüre eine echte Blutsverbindung durch die Familie meines Vaters dort, obwohl ich dort noch nie gelebt habe.

Du hast einen interessanten Geschmack für einen 16-Jährigen, was Musik und andere Dinge angeht. Wo kommt das her?
Ich war schon immer gern etwas anders. Ja, ich hab‘s wirklich mit Surf-Punk und der Punkrock-Szene. Aktuell sind alle in meinem Alter verrückt nach dieser komischen Musik, wo irgendein Typ dasselbe Wort immer und immer wieder vor sich hin nuschelt. Ich hasse das. Zum ersten Mal richtig genossen habe ich Musik, als ich FIDLAR gehört habe. Das ist eine LA Surf-Punk-Band, die mein Vater entdeckt hatte. Alles davon hat einfach Spaß gemacht und irgendwas berührte mich da. Aber ich liebe auch die Sex Pistols, was ein bisschen politischer ist. Außerdem mag ich Schallplatten und dieses Zeug. Ja, das ist jetzt bei Teenagern wieder groß im Kommen, aber ich hatte sie schon davor (lacht)! Ich denke, das kommt davon, dass ich schon immer gern anders war.

Hast du dich schon in anderen Sportarten versucht oder ging es immer nur um Fahrräder? Die Bikes waren immer da, aber im Laufe der Jahre habe ich auch andere Sportarten betrieben. Ich war mal im Fußball und Baseball aktiv. Im Baseball war ich gar nicht so übel. Ich war ein linkshändiger Fänger und First Baseman. Falls sich jemand mit Baseball auskennt, wird er oder sie wissen, dass ein guter Linkshand-Catcher ziemlich selten ist. Auch hier war es wieder mein Drang, anders zu sein. Aber ja, Bikes waren schon immer meine große Liebe.

„Man lässt sich leicht davon einnehmen, jedes Rennen gewinnen oder der Beste bei allem sein zu wollen.“

 

 

Wir haben bei dir im Hof alle möglichen verschiedenen Räder gesehen, aber hast du einen Lieblingsstil? Ich glaube nicht, dass sich eine Disziplin da wirklich hervortut. Alles, was mit zwei Rädern und einer Kurbel samt Kette zu tun hat, macht mir Spaß. Egal ob auf dem Rennrad oder dem 20-Zoller – mir geht es um die Fahrfreude. Ihr könntet mich wahrscheinlich auf jedes Bike dieser Welt setzen und irgendwie fände ich schon einen Weg, damit Spaß zu haben.

Was ist die SoCal High School Cycling League? Erklär‘ uns das doch bitte kurz. Die SoCal High School League ist meine örtliche Sektion der NICA League. Das ist praktisch eine Rennserie ausschließlich für Fahrer aus der High School und Middle School. Eine der coolsten Sachen der Welt. Sie inspiriert mich wirklich. Dort finden alle zusammen: Fahrer auf Elite-Niveau wie ich und die Kinder, die gerade ihr erstes Rennen überhaupt bestreiten. Das ist wirklich eines der schönsten Events überhaupt. 2.500 Leute aus ganz Südkalifornien kommen auf einen Berg, zelten, fahren Rennen und haben eine Menge Spaß. Das ist einfach extrem cool. So habe ich erkannt, dass mir Rennen Spaß machen.

Welche Fahrer haben Einfluss auf dich? Ich denke, das Spektrum meiner Inspirationen ist ziemlich breit gefächert. Da sind Leute wie Mathieu Van Der Poel, der einfach auf jedem Bike eine Legende ist, aber auch so coole Typen wie die Jungs von 50to01. Auch ohne Bike sind das sind echte tolle Menschen. Aber fahren können sie wie niemand sonst. Ich liebe Jibs (lacht).

Glaubst du, dass XC in der MTB-Welt einen schlechten Ruf hat? Also im Vergleich zu Downhill und Dirtjumps? Ja, XC kommt da definitiv schlecht weg. Na klar, wir sind halt dürre Jungs in Spandex, die sich die Beine rasieren. Aber auch wir fahren gern schnell. Wir fahren nur auch gern schnell bergauf. Und ich denke, XC wird auch immer bissiger und technisch anspruchsvoller und die Leute sollten aufhören, den Sport wegen dieses Rennrad-Touches zu hassen. Wenn ein Rennradfahrer bei einem der örtlichen High School-Rennen aufkreuzen würde, hätte er keine Chance. Du musst schon was draufhaben, um einen Singletrack schnell herunterzukommen (lacht).

 

 

Das größte Rennen des Jahres für dich? Das Grinduro ist mir immer sehr wichtig. Ich fahre auch bei den Landesmeisterschaften und solchen Sachen mit, aber jetzt verabschieden sich immer mehr Leute aus dieser Welt und machen einfach Party auf ihren Bikes. Das Grinduro verkörpert genau dieses Gefühl und steht einfach für alles, was an Bikes so toll ist. Diese Rennen bekommen immer mehr Presse und diese Veranstaltung ist mir im Laufe der Zeit immer wichtiger geworden.

Wer ist Hamish Paine? Dieser verdammte Hamo. Ein langer Australier, der echt nicht mehr alle Tassen im Schrank hat! Ich weiß nicht, wie er das macht. Scheinbar fährt er den ganzen Tag nur Fahrrad oder trinkt Bier, aber wenn er zu einem Rennen kommt, macht er alle anderen platt. Sie sollten bei ihm mal eine Leistungsdiagnostik durchführen, denn der Kerl ist echt ein Tier (lacht).

Mit welchen Fabric-Fahrern möchtest du mal eine Runde drehen? Ich träume von einer Ausfahrt mit den Jungs von 50to01. Sie haben so viel Skills und Styles und lassen alles so leicht aussehen. Außerdem träume ich von einer Crew wie dieser mit Leuten, die einfach nur biken, Blödsinn machen und Spaß haben wollen. Das sind echt tolle Typen.

Mit wem würdest du am liebsten fahren wollen – wenn du alle Biker der Welt zur Auswahl hättest? Das ist wirklich schwierig. Wahrscheinlich einer von 50to01 oder jemand wie Taylor Phinney. Nachdem ich Thereabouts 2 gesehen hatte, war ich wirklich fasziniert von Phinneys Stil. Er ist so entspannt und hat Charakter und ist trotzdem einer der besten Radrennfahrer der Welt. Er ist auch neben dem Sattel cool drauf und das hat mich schon immer beeindruckt.

 

 

 

Was steht für Tydeman als Nächstes an? Mehr Trips nach Europa! Im Großen und Ganzen werde ich einfach weiter Spaß auf meinem Bike haben und versuchen, ein paar Rennen zu gewinnen. Einfach das Leben genießen und meine sorglose Jugend voll auskosten (lacht)!

Irgendwelche letzten Worte? An all die Kids da draußen: Habt einfach Spaß. Man lässt sich leicht davon einnehmen, jedes Rennen gewinnen oder der Beste bei allem sein zu wollen. Geht einfach raus, fahrt euer Bike und freut euch, dass ihr in die Pedale treten könnt. Einfach gesagt – fahrt aus Spaß an der Freude und für sonst nichts. Ach ja, hängt euch rein. Das macht Riesenspaß, versprochen!