Direkt aus dem Mund.

Von einem staubtrockenen EWS-Triumph in der einen Woche zu einem schlammtriefenden Weltcup-DH-Sieg in der nächsten. Martin Maes schreibt Geschichte.

Direkt nach seinem Sieg bei der EWS in Whistler reiste Martin Maes zum DH-Weltcup in La Bresse, um rechtzeitig für die Weltmeisterschaft wieder Tempo auf seinem Downhill-Bike aufzunehmen. Und was für ein Tempo er hatte.

Martin wusste, dass er mit diesem Kurs gut zurechtkommen würde, und hatte eine Top-10-Platzierung fest im Blick. Als am Renntag alles nass war, ließen sich einige Fahrer davon aus der Bahn werfen, aber Martin blieb cool und schnell. Als die Rennfahrer einer nach dem anderen herunterkamen, wurde klar, dass Martin unter den ersten Zehn sein würde. Aber erst als der letzte, Amaury Pierron, über die Linie fuhr, hatte Martin Maes auf ganz neue Art Geschichte geschrieben. Direkt aufeinanderfolgende Siege in der EWS und im DH. Reines Talent. Ein echter Champion.

Sein Geburtstag? Der 27. Januar 1997.

Seine Heimatstadt? Neupré in Belgien.

Welche sportliche Vorerfahrungen hast du? Als Kind habe ich viele Sportarten ausprobiert. Ich spiele immer noch gern Fußball mit ein paar Kumpels, Tennis und fahre alles, was zwei oder vier Räder hat. Ich mag halt Räder.

Wenn du noch einmal 14 wärst und alles wüsstest, was du jetzt weißt – was würdest du ändern? Absolut gar nichts. Ich hatte von Anfang an das beste Team und die besten Sponsoren hinter mir, die mich jeden Tag beim Erreichen meiner Ziele unterstützen. Ich fahre die Rennen, weil es mir Spaß macht, aber ich sehe es auch als Möglichkeit, mich mit den Ergebnissen bei allen zu bedanken.

Fahrer aus Belgien sind traditionell extrem stark im Cyclocross und auf der Straße. Warum hast du dich für MTB entschieden? Mein Vater ist auf ziemlich hohem Niveau MTB-Rennen gefahren. Ich habe ihm als kleiner Junge dabei zugesehen und wollte das auch. Er hatte großen Einfluss auf mich. Das Tolle war, dass er mich nie zum Radfahren gezwungen hat. Das kam von ganz allein.

 




 

Wenn nicht der Radsport gewesen wäre, was würdest du jetzt tun? Ich glaube, ich wäre Gärtner. Ich verbringe meine Zeit gern im Wald. Da wird es mir nie langweilig …

Du lieferst konsistent Leistung bei verschiedenen Rennen und auf ganz unterschiedlichem Terrain – wie machst du das? Ich lebe in Belgien. Ich habe das „Glück“, im Laufe des Jahres alle Witterungsbedingungen mitzunehmen. Schlamm, Schnee, Trockenheit, fast schon klebriger Boden … das hilft mir gewaltig beim Fahren. Wenn ich in ein Rennen gehe, habe ich nie Angst vor dem Wetter. Das ist ein psychischer Vorteil, der sich schon vor dem Start bemerkbar macht.

Wie sieht ein typischer harter Trainingstag für dich aus? Du stehst früh auf, steigst auf dein Rennrad und machst dich mit Intervallen praktisch komplett kaputt. Dann kommst du nach Hause und ruhst dich so gut du kannst aus, um am nächsten Morgen wieder frisch zu sein. Zum Glück habe ich das nur einmal pro Woche, haha!

Welche Kraft- und Fähigkeitsübungen würdest du neuen Enduro-Fahrern empfehlen? Ich würde allen empfehlen, auf ihren Bikes herumzuspielen und einfach im Wald, in einem Skatepark oder auf einer BMX-Strecke Sprünge zu üben. So habe ich Radfahren gelernt.

 

 

 

 

Hast du Pläne bezüglich Weltcup-Rennen im XC oder Cross nächstes Jahr? Haha, auf keinen Fall! Die Fähigkeiten und die Vorbereitung sind da ganz anders. Ich müsste wahrscheinlich 10 kg abnehmen. Das gehört nicht zum Plan!

Lässt du es in den kommenden Wintermonaten ruhig angehen, nachdem dein Rennkalender voll mit DH- und Enduro-Rennen war? Es war ein verrücktes Jahr und ich habe etwas erreicht, dass ich in meiner ganzen Karriere nicht für möglich gehalten hätte. Ich hatte zwischen den Rennen im August und September keine Zeit, mich ordentlich zu erholen. Ich habe mich nach einer Saison noch nie so fertig gefühlt. Aktuell mache ich eine große Pause und versuche, die Dinge zu tun, zu denen ich in der Saison nie Gelegenheit hatte. Es fühlte sich verdammt gut an, endlich aus meiner Alltagsroutine auszubrechen, denn die besteht aus Training – Ausruhen – Rennen fahren.

Welche Hobbys hast du, wenn du mal Pause machst? Ich treffe mich gern mit meinen Freunden, verbringe Zeit mit meiner Familie und mache andere Sachen als Fahrrad fahren. So lade ich meine Akkus für die nächste Saison wieder auf.

2018 war eine ziemlich spektakuläre Saison für dich (und für uns als Zuschauer – danke dafür!). Möchtest du dich bei jemandem bedanken? Zuerst einmal hätte ich es ohne sie alle gar nicht geschafft … Mein Dank geht raus an die Fans, an das GT Factory Racing Team, die Sponsoren und insbesondere an Fabric für dieses schöne Interview.

 

 

 

Mehr über Martin Maes erfährst du unter GT Bicycles.com.

Alle Fotos von Sven Martin.