Das Grinduro ist gerade erst vorbei und es war eine hammermäßige Veranstaltung!

Das Grinduro ist ein Langstrecken-Gravel-Rennen über 54 Meilen (ca. 87 km) mit 4 Wertungsabschnitten in Schottland. Es ging über 1.600 Höhenmeter, Verschnaufpausen gab es keine und die Hitze machte die Sache auch nicht leichter.

Nach einer umfassenden Kampagne zur Bewerbung des Grinduro bei der immer noch wachsenden britischen Gravel-Community waren wesentlich mehr Starter als letztes Jahr dabei und wir freuten uns auf über 250 Fahrer, die im Renn-Dorf alles gaben und sich ausruhten.

Ich selbst, Sandrine, Ben und Gaby fuhren am Mittwoch vor dem Grinduro los und wollten die 7,5-stündige Fahrt in den Norden nach Ardrossan, Schottland so schaffen, dass wir auch noch die Fähre zur Insel Arran erwischten. Der Zeitplan war knapp, denn die Fährfahrten zu dieser wunderschönen schottischen Insel sind begrenzt. Glücklicherweise war das Wetter super und wir hatten eine schöne Anreise.

Je näher man Arran kommt, desto mehr sieht es nach Jurassic World aus: Wolken verhüllen den bergigen Norden und den höchsten Punkt der Insel (Goat Fell) und dichter Wald bedeckt den Süden. Diejenigen mit einer lebhaften Vorstellungskraft hätten wahrscheinlich Seeungeheuer erwartet, als wir uns der Insel näherten, aber zum Glück kamen wir alle in einem Stück an.

Donnerstag ging es los mit der Einrichtung und der Dekoration der Arran High School, die als Zentrum und Heimstatt für das Grinduro diente.

Der Fabric-Stand war schnell zusammengebaut und der Außenbereich wurde mit allem möglichen Zubehör von Grinduro, Fabric, Sram, Lauf, The Bicycle Academy, Chimpanzee und Giro ausgestattet.

Freitag = Begrüßungstag:

Die Fahrer betraten die Fähre zu Fuß und die Bikes, Zelte etc. wurden für die Fahrt auf der Fähre festgemacht. Auf der anderen Seite wurden alle Fahrer vom Bus abgeholt und bei der Schule abgesetzt, wo sie von einem Dudelsackspieler begrüßt wurden. Erst nach der Registrierung konnten sie ihre Bikes, Zelte und Rucksäcke aus dem Campingbereich abholen.

Das Wetter war besonders schön, also nutzen viele die Zeit, um die Insel zu erkunden oder die Strecke vorab zu erproben. Einige kippten sogar ein paar Biere zum Abendessen und darauf folgten noch entspannte Gitarren-Sessions.

Samstagmorgen: RENNTAAAG!

Die Fahrer genossen ein Gratis-Frühstück mit ihren Essensgutscheinen, die in der Teilnahmegebühr enthalten waren. Podium Catering versorgte die müden Krieger mit Porridge, Müsli und Saft. Mit ein bisschen Geduld konnte man sich auch ein paar von den Heidelbeer-Pancakes schnappen, die wirklich dick, süß und saftig waren. Dank Ride Bikmo gab es auch Kaffee, der einfach unglaublich war.

Um 8:00 Uhr waren die Fahrer beim Briefing, und zum Start um 9:00 Uhr sollten sie in Gruppen zu 10–20 auf die Strecke losgelassen werden. Nochmal zur Erinnerung: Nur auf den Wertungssektoren wurde die Zeit genommen, den Rest der Strecke konnte man ganz nach Belieben fahren.

Sektor 1: Fireroad of Fury

Nur 20 Minuten nach dem Start an der High School war dieser Sektor ein echter Weckruf. Wir haben dort Geschwindigkeiten bis zu 65 km/h verzeichnet, es gab viele enge Kurven, groben Schotter und langsamere Fahrer. Es hieß also Finger an die Bremshebel und Achtung in den Kurven – außer man heißt Tydeman Newman! Ein tückischer flacher Anstieg vor der letzten Abfahrt zum Ziel sorgte definitiv dafür, dass alle für die Fahrt bis zur ersten Versorgungsstation angemessen platt waren.

Versorgungsstation 1: Brodick Castle

Wow, allein das verdient eine Erwähnung. Auf dem Gelände von Brodick Castle veranstalten der National Trust, Freiwillige von Arran und örtliche Unternehmen ein echtes Festmahl. Es gab:

Schottisches Tablet
Frische Flapjacks
Eis von Arran
Isotonische Getränke von Chimpanzee
Wasser (natürlich)
Arran Gin, ja GIN, KOSTENLOSEN GIN!?!
Frische Limonade
Gummibären

Hier ergriff die Völlerei von allen Besitz und nicht allen bekam es so gut …

Sektor 2: Lung Buster

Autsch und dann gleich nochmal autsch. Wir bekamen knapp 8 Kilometer, um unser Festmahl aus Gin, Eis und Flapjack zu verdauen, bevor es von der Straße ab ging und wir vor dem zweiten Sektor standen. Dieser war knapp 3 Kilometer lang mit einer Steigung von 8 %, die teilweise bis auf 18 oder 20 % hoch ging; dazu kamen noch Wasser und Schlamm bei einigen zu durchquerenden Bachläufen. Das Bezwingen dieser Berge war schwer genug, aber durch den Schlamm und die ganzen Körper überall wurde es auch nicht leichter. Jeder Anstieg verlangte so viel von den Fahrern, dass sie sich auf dem nächsten „flachen“ Abschnitt wieder erholen mussten – nur, um danach gleich wieder voll in den roten Bereich zu gehen. Eine echt harter Sektor, technisch anspruchsvoll und ohne Entspannungsmöglichkeit.

Transfer von Sektor 2 zum Mittagessen: WOW

Ein unglaublicher Abschnitt aus Singletracks, steilen Abfahrten, Wasserfällen und schönen Aussichten. Einer meiner Lieblingsmomente. Ich hatte so viel Spaß, ich habe glatt vergessen, Bilder zu machen.

Sektor 3: Lunch Roll

Diesen Sektor haben wir uns direkt nach dem Mittag vorgenommen. Der Name passte, denn auch hier fuhren wir wieder mit vollem Bauch.

Das war ein echtes Biest, mit ca. 5,5 Kilometern der längste Wertungsabschnitt und eine einzige Tortur in einer Feuerschneise von unten bis ganz oben. Die BBC schlug sogar oben ein Lager auf, um die müden Gesichter beim Überqueren der Linie einzufangen.

Dieser Sektor war ziemlich knifflig zu fahren, denn die Steigungen variierten stark und es gab viele uneinsehbare Kurven/Gipfel und man wusste nicht genau, was als Nächstes kam. Ich fuhr praktisch blind, und das in einem leicht unangenehmen bis extrem quälenden Pulsbereich – die ganze Zeit! Aber ich hätte die Anzeige auf Fahrstrecke einstellen sollen, denn ich war früher damit durch als ich gedacht hatte. Komischerweise hatten viele Teilnehmer richtig Spaß in diesem Sektor, weil man seine Freunde zum Rennen herausfordern oder sich taktisch im Windschatten anderer halten konnten. Ich kann mir gut vorstellen, diesen Sektor noch einmal zu fahren …

Versorgungsstation: Velo Café

Auf vielfachen Wunsch wurde die letzte Versorgungsstation zum Velo Café verlegt, und es ist wirklich großartig. Im Süden der Insel in Lagg gelegen, ist dieses kleine Café samt Frühstückspension ein Mekka für den Radsport und Radfahrer. Draußen stehen jede Menge Fahrradständer für eure Bikes und drinnen ist das Café für euch bereit. Alles ist mit Radsport-Andenken dekoriert (ein besonderes Highlight für mich ist die Merckx-Ecke) und natürlich sind auch der Kaffee und die verschiedenen Kuchen für alle Geschmacksrichtungen und Ernährungsformen wirklich unglaublich.

Definitiv einen Besuch wert, wenn ihr dort unterwegs seid. Ich werde auf jeden Fall nächsten Monat vorbeischauen.

Sektor 4: The Final Fling

Nach einem ziemlich langen, heißen und mit Bremsen verseuchten Übergang vom Velo Café hatten wir uns etwas Schönes zum Abschluss verdient: ein waldiger Downhill-Abschnitt, der fast bis zur Schule zurückführte.

Aber vor dem DH musste man nach dem Beginn des Sektors erst eine holprige Flachstrecke und einen Anstieg durch eine Feuerschneise bezwingen.
Nach dem Mittagessen war ich mit unserem Profi und letztendlichem Gewinner, Chris Metcalfe unterwegs. Schnell erkannte ich, dass seine „Reisegeschwindigkeit“ von einem Sektor zum nächsten schneller war als meine Grenzbelastung (und immer noch ist), also war ich bei Sektor 4 ganz schön ausgepumpt. Ich war so fertig, dass ich mich hier echt blamiert habe und die Flachstrecke alles Leben aus mir zog.

Meine Arme und meine Rumpfmuskulatur konnten mir nicht mehr helfen und meine Beine zeigten mir beim Feuerschneisen-Anstieg einen bildlichen Vogel. Als es dann aber auf echtem braunem Boden (feuchter, griffiger Sand) nach unten ging, hatte ich wieder ein Lächeln im Gesicht und schickte mein Baby durch die Kurven, über Wurzeln und durch natürliche Spurrillen. Keine Frage, der erste Teil war wirklich hässlich, aber zum Schluss hatte ich richtig Spaß.

Der Abschluss:

Nicht einmal 4 Kilometer nach dem Ende von Sektor 4 kommt man wieder an der Schule an und ruft „Wow, was für eine Fahrt!“.

Jetzt suchten alle nach dem Bier-Chip (der im Startpreis enthalten war) und wuselten durch die Zelte auf der Suche nach dem eiskalten Wohlgefühl. Ein dickes Dankeschön an WTB, die ebenfalls kaltes Bier auf Vorrat hatten, und an Tom Hill von Grit.CX, der mir auch noch ein Bier gekauft hat. Danach fühlte ich mich echt gut und um 10:00 Uhr abends hatte ich schon ein auffallend breites Grinsen im Gesicht.

Wie bei den Briten üblich kam die Party am Abend langsam in die Gänge und die Fahrer tauschten Geschichten vom Tag aus, aber je länger die Nacht dauerte, desto mehr wurden die Leute zu Partylöwen.

Es gab Live-Musik von einer Indie-Band aus Glasgow namens The Rebellions und danach einen örtlichen DJ, dessen Frau beim Rennen dabei gewesen war! Gerade, als der Rausschmeißer-Song kommen sollte, schaltete die Party nochmals einen Gang hoch und es ging richtig ab …

Einen großen Dank an:

Die Insel Arran und die tollen/glücklichen Leute, die dort leben
Arran High School
The National Trust
CalMac Ferries
DIE MARSHALLS!!!!
Giro
Sram
ZyroFisher
Chimpanzee
Lauf
The Bicycle Academy
Arran Whisky
Podium Catering
Bikmo für den Kaffee
The Rebellion

Das lässt eigentlich nur eine Frage offen – kommt ihr nächstes Jahr auch?

Text von Neil Cousins @cousinsneil

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