Direkt aus dem Mund.

Vergangenen Monat gewann der Profiteamfahrer von Cannondale Cyclocross World, Stephen Hyde, seinen zweiten US-Meistertitel in Folge. Kurz nach diesem Sieg trafen wir Stephen und sprachen mit ihm über seine Wurzeln im BMX-Sport und das Leben als Profiradsportler.

Wie heißt du und wo lebst du? Mein Name ist Stephen Hyde. Ich stamme aus Milton, Florida, wohne aber zurzeit in Easthampton, Massachusetts.

Wie lange fährst du schon Fahrrad? Seit ich aufrecht stehen kann!

Herzlichen Glückwunsch zum zweiten US-Meistertitel, wie fühlt sich das an? Vielen Dank!!! Oh Mann, es ist einfach unglaublich. Einen zu gewinnen ist schon echt eine Leistung, aber zwei sind wirklich großartig. Der Wettkampf mit so vielen guten Rennfahrern ist unglaublich. Ich bin superglücklich mit dem Sieg und der Saison insgesamt.

Wir haben ein paar fantastische Bilder von dir auf einem BMX gesehen. Wie kam es zu diesem Wechsel und helfen dir diese Fähigkeiten im Cyclocross? Ja, BMX ist immer noch meine wahre Liebe. Es ist ein toller Sport. Ich habe das lange gemacht und mein ganzes Herzblut dort hineingesteckt. Genauso wie jetzt beim Cross. Mein Leben hat sich schon immer auf zwei Rädern abgespielt und ich wüsste nicht, was ich sonst tun sollte. Es war einfach vorherbestimmt. Es war einfach eine ganz natürliche Entwicklung: BMX, MTB, Rennrad, CX. Wenn die Fitness nicht auf der Höhe ist, hilft es durchaus, sein Bike unter besch*** Bedingungen im Griff zu haben. Haha.

Welcher deiner Konkurrenten hat die größten Fähigkeiten, wen bewunderst du am meisten für seine Stärke? Nun, ich will ehrlich sein. Jeder meiner Gegner hat ganz eigene Kompetenzen, die ihn so besonders machen. Ich finde, das ist das Coole an der Sache. Diese Jungs haben alle ein paar Asse im Ärmel oder einzigartige Fähigkeiten, mit denen sie glänzen können. Das macht die Rennen für mich so spannend! Bunny Hops über hohe Hindernisse habe ich leider im CX nie so gut umsetzen können. Ich weiß nicht, warum, aber da kann ich mich definitiv verbessern!

 

 

 

 

 

Wolltest du schon als Kind Profi werden? Ja und nein. Dort, wo ich aufgewachsen bin, gab es keinen wirklichen Zugang zur Welt des Radsports. Ich wusste nur, dass ich Fahrräder und die frische Luft liebte. Später erfuhr ich von MTB-Magazinen und bat meinen Vater, mir eins zu kaufen. Ich schnitt Fotos aus und klebte sie an meine Wände und auf meine Schulbücher. Ich bin mir immer noch nicht sicher. Wusste ich, dass diese Leute Rennen fuhren? Mir gefiel einfach die Vorstellung, dass sie immer irgendein krasses Zeug abzogen, glaube ich. Erst in meinen Zwanzigern hatte ich Zugang zu Rennen.

Was würdest du tun, wenn du jetzt nicht im Radsport wärst? Nun, ich hatte schon viele verschiedene Jobs. Ich habe in Druckereien gearbeitet und Druckmaschinen bedient. Kurzzeitig habe ich in einem Fotolabor gejobbt. Ich war eine kurze Zeit lang als Landschaftsgärtner beschäftigt und habe mich an der High School im Tischlern versucht. In meinem letzten Schuljahr habe ich angefangen, als Fahrradmechaniker zu arbeiten, was ich den Großteil meiner Zwanziger getan habe. Das war mein Einstieg in den Radrennsport.

Du lebst in letzter Zeit immer öfter in Europa, hilft dir das? Ich lebe und fahre jetzt schon zum vierten Jahr Teilzeit in Europa. Ich liebe es hier und ehrlich gesagt wird es immer einfacher, je mehr Zeit ich hier verbringe. In manchen Aspekten zumindest. Mir hat das Fahren und vor allem die reine Anwesenheit hier geholfen, die Dinge unter die Lupe zu nehmen, die ich als „Fortschritt“ oder „Ziele“ betrachte. Ich war schon immer sehr zielorientiert und es wird zunehmend schwierig, seine Ziele in der Mitte der Saison neu auszurichten oder sich an zwei völlig verschiedenen Zielen zu orientieren. Eines für die Rennen in den USA und ein komplett anderes für den alten Kontinent. Die zwei können ineinandergreifen, aber es wird schwierig, auch mal einen Schritt zurückzutreten und zu realisieren, wo groß einige Ziele manchmal sind und wie verschwindend klein andere.

 

 

 

 

 

 

Wie viele Pommes frites und Stroopwafels hast du in deiner Zeit in Benelux schon verspeist? Ha, nun ja. Vor ein paar Tagen hatte ich ein paar Fritten zum Abendessen. Keine einzige Stroopwafel. Ein Bier und eine Lütticher Schokowaffel!

Was vermisst du in Europa am meisten? Natürlich meine Freunde und die Familie zu Hause. Obwohl ich das Glück habe, hier mit meinen Teamkollegen zu sein. Außerdem gefällt es mir durchaus, auch mal für mich zu sein, also komme ich meistens gut zurecht.

Du bist US-Meister und hast ein sehr spezielles Rad und Kit, um das auch zu zeigen. Wie war es für dich, als du das Sternenbanner wieder mit nach Hause genommen hast? Das war ein riesiger Erfolg für mich. Zu wissen, dass ich auch gewinnen kann, wenn nicht alles nach Plan läuft oder der ganze Druck auf mir lastet. Manchmal ist es am schwierigsten, zu gewinnen, wenn du der Favorit bist. Ich bin so froh, dass ich das überwunden habe. Ich war auch beeindruckt, dass meine Familie und so viele Unterstützer da waren, die ich in den letzten Jahren bei den Rennen gewonnen habe!

Deine Liebe für Autos und Geländewagen ist auf Instagram klar zu sehen … was fährst du zu Hause? Irgendwelche Ziele für die Zukunft? Hmm, nun. Ich habe wirklich eine Schwäche für Geländewagen. Das ist entweder das Kind oder der Redneck in mir. Mein erster Offroader war ein Ford Ranger ‘89. Meine Familie hatte schon immer Geländeautos. Alle Freunde meines großen Bruders und auch meine Freunde hatten Allradfahrzeuge. Wenn man tief im Süden aufwächst, ist das halt so. Bei mir ist das einfach geblieben. Aber ich glaube, ich habe Glück, dass ich nicht so impulsiv bin und mir keine Kostenfalle gekauft habe! Nach meinem Ranger hatte ich nur „vernünftige“ Autos. Aktuell habe ich meinen zweiten heckgetriebenen Fünfgang-Tacoma. Ich liebe dieses Ding. Meistens sehe ich ihn mir eigentlich nur gern an. Vielleicht habe ich eines Tages eine Garage und genug Geld, um es für solche Dinge auszugeben!

Das Cannondale P/B Cyclocrossworld Team ist SCHNELL und gemeinsam seid ihr es eigentlich alle gewohnt, Titel zu holen. Glaubst du, es hilft, wenn alle so zusammenhalten? Das ist eine gute Frage. Bei so vielen Top-Fahrern in unserem Team liegt die Messlatte sehr hoch. Trotz dieser Anforderungen ist unser Umfeld relativ druckfrei. Stu und alle am Team Beteiligten sorgen dafür, dass wir ALLES haben, was wir für den Erfolg brauchen, aber auch alles, wenn es mal nicht so gut läuft. Bei einem Rückschlag können wir auf Unterstützung zählen, daraus lernen und ohne Zögern weitermachen. Freiraum zum Lernen und Wachsen ist essenziell für unser Programm und ich denke, die Teamethik fördert Wachstum und Weiterentwicklung gleichermaßen. Ganz ehrlich: Wärst du mit der Crew unterwegs, würdest du nie darauf kommen, dass wir allesamt erfolgshungrige Bluthunde sind. Haha.

Hast du irgendwelche verborgenen Talente? Ich kann wirklich gut Sachen aufschieben und Unmengen Kaffee trinken. Außerdem beherrsche ich meine Hände wirklich gut. Ich mag Jobs, die Gefühl und Finesse verlangen.

Die meisten anderen Cross-Fahrer haben in der Nebensaison Verpflichtungen bei Straßenrennen, auch die meisten deiner Teamkollegen. Du scheinst da zu passen. Gibt dir das mehr Zeit, dich in der Saison auf den Querfeldeinsport zu konzentrieren oder machst du das zum Spaß? Ich habe die Straßen-Profinummer einige Jahre lang durchgezogen. Es gibt ehrlich gesagt nichts, was mich zurückzieht. Ich war ein ganz ordentlicher Kriterien-Spezialist und konnte auf hohem Niveau gute Ergebnisse liefern. Ich habe nur nie ein Team gefunden, das einem Offroad-Spezialisten die Vorbereitung und Unterstützung für den Erfolg bietet. Zur Hälfte der Saison gehen die Teams entweder den Bach herunter oder steil nach oben. Ich hatte davon genug. Völlig desillusioniert. Als ich in die Rennszene einstieg, war das auf einem MTB und ich wollte immer dorthin zurück. Jetzt war der richtige Zeitpunkt für mich gekommen. Cannondale hat mich wirklich super unterstützt und das alles möglich gemacht. Bei meinen ersten US-Meisterschaften im MTB-Profilager schaffte ich es unter die ersten Zehn und machte aus einer Idee ein Team mit einer Vision. Ich konzentriere mich jetzt auf die Olympischen Spiele 2020 im XC; da habe ich etwas außerhalb vom Querfeldein, auf das ich hinarbeiten kann. Meine Liebe zum XC ist neu entfacht und ich freue mich wirklich außerordentlich über diesen Schritt.

 

 

 

 

 

Rennfotos: Jeff Curtes