Was ist Grinduro?

Vom Design & Innovation Awards Komitee zum „Event of the Year“ gewählt, verbindet das einzigartige Format von Grinduro die besten Elemente einer MTB-Enduro-Veranstaltung mit einem Gravel-Radrennen. Die Feierlichkeiten umfassen zwei Tage mit hervorragendem Essen, einer Messe mit handgefertigten Bikes, einer Kunstausstellung, Live-Musik und Camping.

Name: Dain Zaffke.

Position: Leiter des Grinduro-Planungsteams und Marketingchef bei Giro Sport Design.

Wie kamt ihr zur Idee mit Grinduro?
Wir wollten ein Event, das alles kombiniert, was uns Spaß macht – eine epische Rundfahrt, etwas freundschaftlichen Wettbewerb, Kunst, Gourmet-Essen, von Hand gebaute Bikes, Live-Musik, Camping und eine bildhübsche Location. Wir haben ganz egoistisch ein Event auf die Beine gestellt, das uns selbst gefällt, damit zumindest wir unseren Spaß haben. Grinduro ist praktisch die formelle Variante von dem, was die meisten von uns am Wochenende mit unseren Freunden veranstalten. Du gibst alles, feuerst einen Anstieg hoch und kommst oben wieder zusammen. Dann gibst du wieder Vollgas, holst dir auf der Abfahrt ein bisschen Nervenkitzel und wartest wieder, bis die Gruppe zusammenkommt. Dann macht ihr vielleicht ein, zwei Pausen mit Kaffee und/oder Bier.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Was bedeutet der Name?
Ich finde es irgendwie schön, dass viele Leute den Namen als „Grin-Duro“ aussprechen, weil sie denken, wir wollten die Menschen zum Lächeln bringen. Aber eigentlich geht es mehr um „Gravel Grinder“ plus „Enduro“. Den Namen haben wir uns vor etwa vier Jahren ausgedacht, kurz bevor Grinder.com wirklich bekannt wurde. Es gab eine Zeit, wo die Leute mir blöd kamen und sagten, das klinge wie ein Festival für diese Dating-Website für Schwule … aber ich dachte mir, was soll‘s!? Diese Jungs wissen jedenfalls, wie man Party macht! Und ich kann mit Stolz behaupten, dass beim Grinduro knapp 30 bis 35 Prozent Frauen dabei sind, also viel mehr als bei einem normalen Radrennen.

Wer hat das Branding übernommen?
Wir haben dieses Projekt schon früh einem unserer Lieblingskünstler vorgestellt, Geoff McFetridge. Einige von uns bei Giro wollten schon immer mit ihm arbeiten, also kamen wir in Kontakt und er war von der Idee wirklich angetan (er ist selbst begeisterter Radfahrer). Kurz danach schickte er uns einige tolle Konzepte, darunter auch den Berg mit Augen in Violett. Wir waren sofort Feuer und Flamme.

Eine lustige Anekdote – auf dem ursprünglichen Design flogen einige Fahrer an der Seite des Bergs herab, und zwar neben ihren trudelnden Bikes. Mir persönlich gefiel es richtig gut, aber unsere Rechtsberatung hat das noch verhindert, als die Plakate gerade schon auf der Presse lagen. Sie sagten, wir dürften keine „leblosen Körper“ in Werbematerialien für ein Event benutzen, das so große Haftungsverpflichtungen mit sich bringt (so ist das halt in den USA).

 

 

 

 

 

 

 

 

Warum Quincy?
Unsere Partner bei Sierra Buttes Trail Stewardship haben ihren Sitz in Downieville, etwa eine Stunde von Quincy entfernt, haben aber eine Menge Zeit und Arbeit in den Aufbau der Trails hier in Quincy gesteckt. Die abschließende Singletrack-Abfahrt ist ein Ergebnis der Anstrengungen von SBTS in dieser Region und ein echtes Schmankerl. Es tut gut, zu wissen, dass der gesamte Erlös des Events an SBTS fließt, um weiter großartige Trails wie diesen zu entwickeln. Ganz zu schweigen davon, dass Quincy von massiven Bergen und hohen Bäumen umgeben und kaum bebaut ist. Die einzige bedeutende Branche in dieser Ecke ist das Holzfällen, also ist die Stadt sehr offen für Tourismus und Radfahrer. Außerdem befinden sich dort eine Volkshochschule und ein Festplatz mit allen Anlagen, die wir brauchen. Derselbe Festplatz, auf dem im Oktober das Grinduro steigt, bietet im Juli bei einem Musikfestival 10.000 Menschen Platz!

Warum ist Grinduro mehr als ein Rennen?
80 Prozent der Fahrt finden im normalen Tempo statt … darüber hinaus gibt es Musik, Essen, Camping, Kunst und handgemachte Bikes.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wer fühlt sich davon angezogen?
Wir haben alle möglichen Leute hier beim Grinduro. Um nur einige zu nennen – dieses Jahr war eine Prinzessin aus dem norwegischen Königshaus hier draußen (sie war als Freiwillige tätig, ihr Ehemann nahm am Rennen teil); Greg Minnaar kam her und verheizte alles und jeden; Katerina Nash war einige Male zwischen ihren Cyclocross-Weltcup-Siegen hier; Menschen von praktisch jeder coolen Marke mit Radsportbezug (und das Schöne ist, sie sind hier nicht offiziell, sondern nur zum Fahren und Party machen); die üblichen Haudrauf-Biker kommen vorbei und haben eine Menge Spaß; wir bekommen auch eine Menge Einsteiger im Schulalter bis zu Eltern in ihren besten Jahren zu sehen; wir haben Hunderte, die zum Wochenende hoch kommen und die örtlichen Trails auf MTBs oder Motocrossern fahren und zur Party bleiben (aber nicht am Rennen teilnehmen); wir haben über 100 Freiwillige und es gibt eine Menge junger Leute aus der Stadt Quincy, die sich unter die Leute mischen, weil das hier eine der größten Partys des Jahres ist.

Gibt es beim Grinduro eine vorherrschende Disziplin?
Für den Grinduro sollte man ein vielseitiger Fahrer sein. Man muss klettern können, Flachstrecken bezwingen, die Schotterpisten beackern und natürlich auch Abfahrten auf Singletracks meistern können.

 

 

 

 

 

Siehst du einen Kulturwandel weg vom Hardcore-Rennen?
Das ist eine wichtige Frage, die eine tiefgreifende Antwort verdient. Aber ich versuche, mich kurz zu fassen. Ich sehe die Sache so:

Handys am Steuer sind eine weltweite Epidemie und heute für die meisten Verkehrstoten verantwortlich. Bei Radfahrern, Fußgängern und anderen Kraftfahrern. Das allein zieht immer mehr Radfahrer auf Feldwege und zu Erlebnistouren. Enduro-Mountainbike-Rennen haben eine tolle Plattform geschaffen, die inklusiver ist als DH- oder XC-Rennen. Mit Strava kämpfen jetzt immer mehr Menschen auf kürzeren Segmenten um die Bestzeit. Und die Doping-Kultur im Profi-Rennradsport scheint vielen Menschen ihre Ambitionen diesbezüglich ausgetrieben zu haben. All diese Faktoren haben zusammen das perfekte Umfeld für ein Event wie das Grinduro geschaffen, das die Wünsche vieler verschiedener Radfahrertypen bedient.

Radfahrer wollen sich natürlich immer wieder mit anderen messen … egal ob auf E-Bikes, Cross-Bikes, Rennrädern oder Mountainbikes. Mit Grinduro (und Enduro-Formaten) können die Fahrer ihrem Geschwindigkeitsrausch frönen und trotzdem noch andere Leute kennenlernen. Aber bis jetzt sind beim Grinduro noch keine E-Bikes zugelassen (tut uns leid, Nick Larsen).

 

 

 

 

 

Wie beeinflussen die Party und der Spaßfaktor das Rennen?
Es gibt viele Menschen, die einfach den ganzen Tag am Feiern sind. In Sachen Haftung macht mir das ein bisschen Angst, aber rein von der Philosophie stehe ich voll dahinter. Die Hauptsache (meiner Erfahrung nach) ist die, dass man nach einer wirklichen Killerfahrt immer noch voller Endorphin und Adrenalin ist – warum also nicht diese Energie nutzen, ein, zwei Drinks nehmen und sich weiter bewegen? Im schlimmsten Fall muss man sich eben kurz hinsetzen und verschnaufen. Ich möchte ein Beispiel von mir selbst beisteuern: Auf dem letzten Sektor mit Zeitnahme habe ich alles gegeben (die Singletrack-Abfahrt vom Mount Hough). Ich war total im Flow, nahm jede Linie perfekt und kurbelte mir wirklich die Seele aus dem Leib; es fühlte sich wie ein nahezu fehlerloser Lauf auf (wenn man mal ganz dezent von meinem massiven Abgang über den Lenker am Ende absieht). Wenige Momente später war ich schon am Badesee und freute mich über ein kaltes Bier. Darauf folgten ein paar Geschichten, einige High Fives, ein „Ginduro“-Cocktail (danke an die Jungs mit der Guerilla-Bar im Wald) und noch ein paar Bier. Meine Beine waren fertig, aber ich hatte gute Laune und diese Begeisterung ebbte erst ab, als ich um 2 Uhr morgens zu meinem Schlafsack steuerte. Party und Rennen schließen sich nicht gegenseitig aus. Beim Radsport geht es nicht nur ums Leiden. Es geht auch um Abfahrten, bei denen man einfach grinsen und jauchzen muss, Gespräche und Witze im Fahrerfeld und die Afterparty. Einige der wildesten Partys, die ich je erlebt habe, waren die mit Weltcup-Fahrern nach dem Abschluss großer Rennen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wo liegt denn der Schwerpunkt, auf Radfahren oder Party?
Ich rede gern über die Party, aber seien wir ehrlich – es ist als Radsportevent eine echt geile Party … aber wir sind hier nicht bei Rock am Ring. Es ist auch kein Burning Man. Der Fokus wird wohl immer auf dem Radfahren liegen. Aber für die Biker, die nach der Fahrt noch etwas Dampf ablassen wollen, hat Grinduro eine Menge zu bieten. Damit habe ich auch kein Problem, denn eine Party im Stile der Hell‘s Angels würde ich wahrscheinlich eh nicht überleben!

Was steht beim Grinduro als Nächstes an?
Ich möchte die Aspekte Kunst und Musik im Laufe der Zeit sowohl in Quincy als auch in Schottland weiter ausbauen. Und schließlich würde ich daraus gern eine weltweite Serie machen. Ich glaube, dass diese Art von Event viele Menschen anspricht. Die Enduro World Series inspiriert mich stark und ich habe allerhöchsten Respekt vor Chris Ball, dass er diese Veranstaltungen an so vielen Orten ausrichtet und trotzdem noch so ein hohes Qualitätsniveau hält. Aber die Grinduro-Planungsgruppe ist ein kleines Team … und es hängt wirklich davon ab, wie viel Energie die Leute bei Giro, Fabric und SRAM in diese Veranstaltung stecken können, ohne ihre normalen Jobs zu vernachlässigen!